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Der Milliarden-Bluff vor dem dritten Bildungsgipfel

GEW
5/2010
Am 10. Juni treffen Kanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Länder zum dritten Bildungsgipfel zusammen. Ausgehandelt wird, wer was und wie viel zahlt, um das in Dresden groß angekündigte Ziel, ab 2015 zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Bildung zu investieren. Ein Aufwuchs auf zehn Prozent (also 1,4 Prozente plus) hätte nach der 2008 prognostizierten Wachstumsentwicklung zusätzliche Jahresinvestitionen im Umfang von 31,4 Milliarden Euro bedeutet. Doch bei den Treffen am 10. Juni geht es jetzt nur noch um einen Zuwachs von 13 Milliarden Euro. Doch es ist nicht allein der Wirtschaftskrise geschuldet, dass der versprochene Aufwuchs inzwischen geschrumpft ist. Es sind vor allem die neuen Rechenarten und Erfassungskriterien. So rechnen sich die Finanzminister die Bildungsausgabe in die Höhe. Allein für „kalkulatorische Unterbringungskosten“ (gemeint ist die Bereitstellung von Grundstücken und Gebäude für Schulen und Hochschulen) „verbuchten“ die Länder auf ihrer Bildungsausgabenseite zusätzliche zehn Milliarden Euro. Aber auch der Finanzminister des Bundes „entdeckte“ plötzlich Bildungsausgaben, die nie zuvor im Etat als solche ausgewiesen worden war. So wurden rund 800 Millionen Euro für Steuervergünstigungen hinzugerechnet – etwa für absetzbare berufliche Weiterbildungskosten oder den reduzierten Mehrwertsteuersatz bei Büchern.
Vor dem dritten Bildungsgipfel werden atemberaubende Rechentricks vorgeführt!

Mittelkürzung

Badische Zeitung
23.05.2010
Das Land hat die Mittel für die sogenannten Lehrbeauftragten unangekündigt von 3 auf 2 Millionen Euro pro Schuljahr gekürzt. Das führt zu einer deutlichen Verarmung des Lehrangebots, klagt die Lehrervertretung Verein Bildung und Erziehung (VBE).


Klage über Unterrichtsausfall 

Badische Zeitung
23.05.2010
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Südbaden fordert von der neuen Landesregierung zusätzliche Lehrerstellen, um die Unterrichtsversorgung zu verbessern. An den rund 5.000 Schulen im Land fielen nach wie vor zwischen 3,5 und 5 Prozent des Unterrichts aus.


GEW-Erfolge für Grund- und Werkrealschule!

GEW
03/2010
Im Rahmen der Bildungsoffensive will die Landesregierung die Klassenteiler an allen Schulen auf 28 senken. Die Grundschule wäre dabei planmäßig erst im Schuljahr 2011/12 eingestiegen. Die GEW hat schon bei der Bekanntgabe der Bildungsoffensive und auch danach immer wieder darauf hingewiesen, dass dies eine unzumutbare Benachteiligung der Grundschulen darstellt. Jetzt hat Mappus erklärt, dass der Klassenteiler an den Grundschulen zum Schuljahr 2010/11 auf 28 gesenkt wird. Damit wird den Belastungen der Lehrer/innen und den Bedürfnissen der Schüler/innen zumindest teilweise Rechnung getragen. Auch bei den jahrgangsübergreifenden Klassen haben wir nachgebohrt: Der Teiler wird von 28 auf 25 gesenkt!


Notenschnitt und Leistungsdruck 

Badische Zeitung
28.02.2010
Nach einer aktuellen Forsa-Studie, die von der Techniker-Krankenkasse in Auftrag gegeben wurde, verspüren Kinder in Baden-Württemberg einen höheren Leistungsdruck als in anderen Bundesländern und haben größere Angst vor schlechten Noten. 28 Prozent der Eltern gaben an, der Leistungsdruck führe dazu, dass ihre Kinder unter Kopf- und Rückenschmerzen leiden. Bundesweit waren es hingegen 23 Prozent.

Mehr als 10 Jahre nach dem PISA-Schock: Schlechte Noten für Bildungspolitik

Deutscher Philologenverband (DPhV)
Berlin, 21.01.2010
Enttäuscht hat sich der DPhV-Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger über die deutsche Bildungspolitik der letzten zehn Jahre geäußert. "Die Kultus-, Bildungs- und Wissenschaftsminister haben in den letzten 10 – 12 Jahren die große Chance nach dem so genannten PISA-Schock zu einer neuen, sach-, qualitäts- und konsensorientierten Bildungspolitik nicht genutzt. Man kann sogar sagen, dass die Bildungspolitik in diesem Zeitraum mehr Probleme geschaffen als gelöst hat!", sagte Meidinger. Als Beispiele nannte er die hastige Einführung des verkürzten Gymnasiums, die verfehlte Umsetzung der Bolognareformen oder die in kurzfristigen Abständen durchgepeitschten Strukturreformen. "Wir brauchen einen neuen Konsens, einen neuen Schulfrieden in Deutschland. Dies kann gelingen, wenn zentrale Ziele wie Qualität, ausreichende finanzielle Ausstattung, individuelle Förderung von Leistungsstarken und Leistungsschwächeren, Durchlässigkeit und die freie Wahl vielfältiger, differenzierter Bildungsgänge und Schularten in den Mittelpunkt gerückt werden."

Werkrealschule: Bildungspolitische Sackgasse

Gutes Konzept für Schulbusunternehmen!
GEW Baden-Württemberg
Stuttgart, 20.12.2009
"Wie soll eine bildungspolitische Reform Erfolg haben, wenn alle pädagogischen Experten im Land das Konzept in Frage stellen? Für die Schülerinnen und Schüler gibt es keine einzige Stunde für zusätzliche Förderung und der Zusatzunterricht zur beruflichen Orientierung wird fehlende Schlüsselqualifikationen nicht ausgleichen können. Durch Aufteilung auf verschiedene Schulstandorte, Aufspaltung in Profile und neue Klassenzusammensetzungen in der 10. Klasse wird ausgerechnet den Schülerinnen und Schülern in der Hauptschule ihre stabile Bezugsgruppe weggenommen", sagte in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Mit der Werkrealschule werden nicht die Hauptschulen weiterentwickelt, sondern der Landesregierung geht es um die Schließung kleiner Hauptschulen, die Einsparung von Personalkosten und die Ablenkung von der immer größeren Unzufriedenheit der Eltern mit der Trennung der  Kinder nach der vierten Klasse.“